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Zur Legasthenie

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Institut für Lese-
Rechtschreibförderung

Hubertistr. 21
48155 Münster
Teil.: 0251 - 63 211
Wann spricht man von LRS oder Legasthenie?

Die Abkürzung LRS steht für Lese- Rechtschreibstörung (manchmal auch für Lese- Rechtschreib-schwäche oder -schwierigkeiten) während sich das Wort Legasthenie aus dem lateinischen „legere“ (= lesen) und dem griechischen „asthenia“ (= Schwäche) ableitet. Inhaltlich bedeuten beide Begriffe hier dasselbe.
Legasthenie gilt allgemein als eine Teilleistungsschwäche. Dies bedeutet, dass die Lese- und/oder Rechtschreibleistungen eines Schülers erheblich hinter den Erwartungen aufgrund seiner Allgemeinbegabung zurückbleiben.

Es handelt sich bei einer Legasthenie also um ausgeprägte und andauernde Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und/oder Rechtschreibens, die nicht durch

  • mangelhafte Unterrichtung
  • unzureichende Intelligenz
  • neurologische Defizite beim Hören und/oder Sehen
  • oder eine Hirnverletzung

erklärt werden können.

Bei dieser Definition von Legasthenie sind sich im Grundsatz alle Experten einig. Allerdings gibt es durchaus unterschiedliche Auffassungen zu zwei wichtigen Fragen:

  1. Wann genau sind Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens als ausgeprägt zu bezeichnen?
  2. Wann genau ist eine Intelligenz unzureichend für das Erlernen des Lesens und Schreibens?

Eine präzise und allgemein anerkannte Beantwortung dieser Fragen steht noch aus.

Wie häufig und in welchen Formen kommt Legasthenie vor?
  • Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt Legasthenie in allen bekannten Sprachen vor. In Deutschland sind wahrscheinlich 3 bis 5 % aller Kinder und Jugendlichen (davon ca. 65 % Jungen) Legastheniker. Unter Einschluss der Erwachsenen schwanken die Schätzungen zwischen 2 und 4 Millionen Betroffener.
  • Eine Legasthenie kann in unterschiedlichen Formen auftreten:
  • Meist sind sowohl Lese- als auch Rechtschreibleistungen eingeschränkt. Manchmal sind nur Rechtschreibschwierigkeiten zu beobachten, während die Leseleistungen im Durchschnitt liegen. In sehr seltenen Fällen sind die Rechtschreibleistungen durchschnittlich und ausschließlich Schwierigkeiten beim Lesen zu beobachten.

Sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben kann die Störung unterschiedliche Schweregrade annehmen.

Beispiel:

Kind A schreibt in einem Rechtschreibtest die Wörter „Wäsche“, „zwischen“ und „Stricknadel“ folgendermaßen:

  • Wesche
  • zwieschen
  • Striknadel

Kind B schreibt die gleichen Wörter so:

  • fech
  • chine
  • schtknabl

Während Kind A jeweils sehr nahe an der richtigen Schreibweise liegt, hat Kind B erheblich stärkere legasthenische Symptome.

Wo liegen die Ursachen für eine Legasthenie?

Für die meisten Menschen sind Lesen und Schreiben hoch automatisierte, selbstverständliche Alltagshandlungen. In Wahrheit bestehen beide Vorgänge aus dem hochkomplexen Zusammenspiel zahlreicher Teilfertigkeiten. Dabei können an vielen Stellen Störungen auftreten. Insofern ist davon auszugehen, dass Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb durch unterschiedliche Faktoren verursacht werden können.

Bis heute ist noch nicht präzise und umfassend geklärt worden, wie das Erlernen des Lesens und Schreibens eigentlich genau funktioniert. Die Legasthenieforschung hat zahlreiche Einzelbefunde erbracht, die sich allerdings teilweise widersprechen und noch kein eindeutiges Gesamtbild ergeben haben.

Allerdings können bestimmte Erkenntnisse als einigermaßen gesichert gelten:

  • Legasthenie ist meist die Folge einer hirnorganischen Dysfunktion. Diese Dysfunktion ist vererbbar. Sie betrifft einige Hirnleistungen bei der Wahrnehmung und Verarbeitung von Sprache.
  • Familiäre, soziokulturelle oder schulische Faktoren (von Extremen abgesehen) sind nicht ursächlich für eine Legasthenie, können deren Schweregrad aber erheblich mildern oder auch verschärfen.
  • Legasthenie ist im engeren Sinne nicht heilbar, kann aber durch ein geeignetes Training ganz oder teilweise kompensiert werden.