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Zur Diagnostik

  i-punkt
Institut für Lese-
Rechtschreibförderung

Hubertistr. 21
48155 Münster
Teil.: 0251 - 63 211
Wie wird im i-punkt Institut eine Legasthenie diagnostiziert?

Eine Legastheniediagnostik im i-punkt Institut besteht nicht nur in der Durchführung bestimmter Testverfahren, sondern beruht auf insgesamt drei Säulen:

  1. Ausführliches Gespräch mit dem betroffenen Schüler und seinen Eltern
  2. Einsatz von wissenschaftlich fundierten Testverfahren
  3. Fortlaufende, protokollierte Beobachtungen im Rahmen der Förderstunden
Das erste Informationsgespräch

Zu Beginn jeder Diagnostik führen wir ein ausführliches erstes Informationsgespräch durch. An diesem Gespräch nehmen sowohl der betroffene Schüler als auch idealerweise beide Erziehungsberechtigte teil.

Wir orientieren uns an folgenden Leitfragen:

  • Wie verlief bisher die Entwicklung der Lese- und Schreibkompetenzen seit dem ersten Schuljahr aus Sicht der Eltern/des Schülers/der Lehrer?
  • Wie lassen sich Ausmaß und Art der Schwierigkeiten konkret beschreiben?
  • Wie ist der Leistungsstand in anderen Fächern?
  • Was wurde bisher unternommen, um den Schwierigkeiten zu begegnen, mit welchem Erfolg?
  • Wie hoch ist der psychische Druck, dem der Schüler ausgesetzt ist, welche Folgen hat dieser?
  • Wie sehr beeinträchtigt die LRS das Verhältnis des Schülers zu Eltern, Lehrern und Mitschülern?
  • Gibt es weitere Probleme, die das Problem LRS verschärfen?
  • Wie verlief die vorschulische Entwicklung, vor allem die Sprachentwicklung?

Natürlich beantworten wir in diesem Gespräch alle Fragen, die von Eltern und Schülern zum Thema Diagnostik und Förderung gestellt werden.

Während des Erstgespräches werden relevante Befunde anderer Institutionen oder Personen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Legastheniediagnose begutachtet.

Zuweilen ergibt sich die Notwendigkeit der Einholung zusätzlicher Befunde, die z. B. das Seh- oder Hörvermögen oder eine möglicherweise vorliegende Aufmerksamkeitsstörung des Kindes betreffen.

Welche Rolle spielen Lese- und Rechtschreibtests bei der Legastheniediagnostik?

Im i-punkt Institut werden wissenschaftlich fundierte Testverfahren zur Ermittlung der Lese- und Rechtschreibkompetenzen eingesetzt. Die Ergebnisse geben an, wie die Leistungen eines Schülers im Vergleich zu seiner Altersgruppe unter Berücksichtigung der Schulform einzuordnen sind.

Meist erfolgt diese Einordnung mit Hilfe eines so genannten Prozentrangs. Was bedeutet das?

Beispiel:  

Ein Schüler in der Mitte der 4. Klasse schreibt bei einem Rechtschreibtest 15 von 42 Wörtern richtig. Es stellt sich nun die Frage: Sind 15 richtige Wörter viel oder wenig? Noch kann man diese Leistung nicht genau beurteilen. Man benötigt dazu einen Vergleichsmaßstab.

Mit Hilfe einer Umrechnungstabelle ergibt sich ein Prozentrang von 8. Ein Prozentrang von 8 bedeutet, dass im Bundesdurchschnitt wahrscheinlich 8% aller Schüler des 4. Schuljahres ein gleiches oder schlechteres Ergebnis erzielen würden. 92 % würden wahrscheinlich ein besseres Ergebnis erzielen.

Der Schüler hat damit ein deutlich unterdurchschnittliches Ergebnis erzielt.

Nach einer solchen quantitativen Messung werden die Testleistungen zudem einer qualitativen Analyse unterzogen. Vor allem die qualitative Analyse der geschriebenen Wörter erlaubt Rückschlüsse über Art und Ausmaß der Schwierigkeiten.

Das Augenmerk richtet sich dabei besonders auf folgende Fragen:

  • Werden Buchstaben im Wort weggelassen?
    Wenn ja, wie häufig und um welche Buchstaben handelt es sich?
  • Werden Buchstaben verwechselt?
    Wenn ja, wie häufig und um welche Buchstaben handelt es sich?
  • Werden Buchstaben in ihrer Reihenfolge vertauscht?
    Wenn ja, wie häufig und um welche Buchstaben handelt es sich?
  • Werden Rechtschreibregeln beachtet?
    Wenn nicht, um welche handelt es sich und wie häufig kommt das vor.

Das Ergebnis der qualitativen Analyse wird Basis für die Planung einer gegebenenfalls eingeleiteten Fördermaßnahme.

Zur Vervollständigung des Bildes empfiehlt es sich, auch Diktate und frei geschriebene Texte aus der Schule zu begutachten. Sehr oft können LRS-Schüler unter Ruhebedingungen mit genügend Zeit (z.B. während einer Testung) zahlreiche Wörter richtig schreiben. Unter Stressbedingungen machen sie aber erheblich mehr Fehler.

Welche Rolle spielt der Intelligenztest bei der Legastheniediagnostik?

Traditionellerweise gehört zur Legastheniediagnostik die Durchführung eines Intelligenztests. Im i-punkt Institut ist dies nicht notwendigerweise der Fall. Dieses Instrument kommt lediglich dann zum Einsatz, wenn es praktischen Nutzen verspricht, das heißt der Beantwortung einer konkret begründeten Fragestellung dient. Solche Fragestellungen könnten sein:

  • Aufgrund der Zeugnisse oder sonstiger Hinweise stellt sich die Frage, ob eine allgemeine Lernbehinderung vorliegt.
  • Die Eltern möchten Hilfestellung bei der Frage nach einer geeigneten weiterführenden Schule.
  • Die Eltern möchten wissen, ob ihr Kind in der Schule möglicherweise unter- oder überfordert ist.

Dieser vergleichsweise sparsame Einsatz des Intelligenztests gründet auf der Beobachtung, dass Kinder sehr häufig „durch die Testmühle gedreht“ werden, ohne dass daraus ein praktischer Nutzen erwächst.

Beispiel:

Wenn ein Schüler der 3. Klasse große Probleme beim Lesen und Schreiben hat, im Rechnen und in Sachkunde aber gute bis befriedigende Leistungen erbringt, so liegt mit einiger Sicherheit kein allgemeines Begabungsdefizit vor. Der Einsatz eines Intelligenztests wäre eine kostspielige Doppeluntersuchung und brächte keinen Erkenntnisgewinn, es sei denn, es läge eine der oben genannten Fragestellungen vor.

Zudem vertreten wir im i-punkt Institut die Auffassung, dass jedes Kind unabhängig von seiner Allgemeinbegabung das Recht hat beim Erlernen des Lesens und Schreibens alle nötigen Hilfen zu bekommen.



Beobachtungsdiagnostik während der Förderstunden

Nachdem die Testergebnisse besprochen worden sind, entscheiden die Eltern gemeinsam mit ihrem Kind, ob die Aufnahme einer Fördermaßnahme im i-punkt Institut sinnvoll ist.

Mit dem Eingangsgespräch und einer Testung ist der erste Abschnitt der Legastheniediagnostik beendet. Allerdings enthält auch jede Förderstunde einen diagnostischen Anteil.

Im Rahmen einer Fördermaßnahme wird ein speziell für Legastheniker entwickelter Lese- Schreibaufbau durchgeführt. Es gilt, nacheinander zahlreiche Lernschritte mit aufsteigendem Schwierigkeitsgrad zu bewältigen.

Über jede einzelne Förderstunde und damit über jeden Lernschritt wird ein schriftliches Protokoll angefertigt, welches alle für den weiteren Fördererfolg wichtigen Beobachtungen enthält wie zum Beispiel:

  • Wie bewältigt der Schüler die gestellten Anforderungen? Wo hat er seine Stärken? Wo liegen Schwierigkeiten?
  • Wie motiviert und belastbar zeigt sich der Schüler?
  • Mit welchen Strategien versucht der Schüler seine Aufgaben zu lösen? Wie hilfreich sind diese?

Im Laufe der Förderstunden erhalten wir so zahlreiche Informationen, auf deren Basis dann Inhalt und Tempo der nächsten Förderstunden bestimmt wird.